E-Health: Wie digitale Innovationen die Zukunft der Gesundheitsbranche verändern

Die medical-logoGesundheitsbranche ist wie viele andere Branchen auch im Wandel, denn auch hier hat die digitale Revolution bereits Einzug gehalten und bringt viele Veränderungen mit sich. Das so genannte „E-Health“ ist zu einem bedeutenden Thema geworden. „Unter eHealth fasst man Anwendungen zusammen, die für die Behandlung und Betreuung von Patientinnen und Patienten die Möglichkeiten nutzen, die moderne Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bieten.

 

„eHealth ist ein Oberbegriff für ein breites Spektrum von IKT-gestützten Anwendungen, wie z.B. Anwendungen der Telemedizin, in denen Informationen elektronisch verarbeitet, über sichere Datenverbindungen ausgetauscht und Behandlungs- und Betreuungsprozesse von Patientinnen und Patienten unterstützt werden können“ (laut Bundesministerium für Gesundheit). Zum Beispiel: Kommunikation via IT zwischen Arzt und Patient in Form von Videochat. Oder: eine Fernüberwachung der Vitalfunktionen eines Patienten. Aber auch schon die reine Bereitstellung von Informationen für Patienten oder Ärzte über geeignete, sichere Portale zählt zur „elektronischen Gesundheit“.

 

Ländervergleich: Deutschland hinkt noch etwas hinterher

In den USA haben Inkubatoren wie Blueprint Health oder Rock Health den Zukunftsmarkt E-Health bereits für sich entdeckt. So flossen in den letzten Jahren immer wieder mehrere Millionenbeträge in Unternehmungen wie Augmedix, die Google-Glass-App für Ärzte, Misfits self-tracking Uhren, den Arzttermin auf Knopfdruck von ZocDoc, das Psychologie-Startup Lantern oder die Datenplattform zur effektiveren Versorgung von Krebspatienten von CancerIQ.

In Deutschland ist diese Aufbruchsstimmung im Gesundheitsmarkt bisher noch nicht in diesem Maße zu spüren. Sicherlich lässt sich das Gesundheitssystem der USA nicht mit dem deutschen vergleichen. Gerade Vorbehalte bezüglich des Schutzes der Gesundheitsdaten sind dafür verantwortlich, dass den digitalen Innovationen im Gesundheitssektor noch nicht der wirkliche Durchbruch gelungen ist.

Uneinigkeit herrscht beispielsweise noch hinsichtlich der elektronischen Patientenakte. Hier werden aktuell drei verschiedene Grundformen verwendet, welche wiederrum in diverse Aktenprojekte gegliedert sind. Ein einheitliches, einrichtungsübergreifendes System für ganz Deutschland ist noch nicht absehbar. Mit gutem Beispiel geht hier unser Nachbarland Österreich voran: „Dort wird derzeit ein gesetzlich definierter elektronischer Aktenstandard für alle Bürger eingeführt“, schreibt das Magazin EHEALTHCOM.

Doch mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte wurde der Grundstein für die Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems gelegt. Außerdem werden inzwischen vermehrt mobile Endgeräte mit medizinischen Apps verwendet, beispielsweise für Meldungen über das Vorliegen neuer Befunde, automatische Auswertung von Blutdruckmesswerten oder eine aktuelle OP-Plan-Ansicht für Krankenhäuser (s. EHEALTHCOM).

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Innovationen getrieben durch den sekundären Gesundheitsmarkt

Ähnlich wie derzeit in der Bankenbrache zu beobachten, wird die Digitalisierung im Gesundheitsmarkt nicht etwa von den Großen in der Branche vorangetrieben; das Thema E-Health geht vor allem vom zweiten Gesundheitsmarkt aus. So tummeln sich zunehmend mehr Startups in diesem lukrativen Markt und die ersten Inkubatoren öffnen auch hierzulande ihre Pforten (Flyinghealth, XlHealth). Im Portfolio der E-Health-Szene stehen Gesundheitsportale, Apps, Mess- und Assistenzsysteme und derzeit vor allem digitale Fitness-Tools. So entwickelt sich das Self-Tracking derzeit geradezu zu einem Volkssport. Über die Hälfte der deutschen Hobbysportler verwendet schon heute ihr Smartphone beim Sport in Verbindung mit einer Fitness-App.

Im nächsten Schritt werden sich auch in Deutschland die Aktivitäten auf den ersten Gesundheitsmarkt ausdehnen. Einen ersten Schritt in diese Richtung haben beispielsweise folgende Startups gewagt:

·       DocInsider, ein Ärztebewertungsportal

·       Doxter und Jameda, Portale zum Buchen von Arztterminen

·       Cloud-Services von DocCirrus und PocketAid zur besseren Verwaltung von Gesundheitsdaten

·       BetterDoc, ein Experten-Netzwerk

·       connected health mit seiner App LifeTime, welche Gesundheitsinformationen zwischen Arzt und Patient übermittelt, speichert und für den Patienten verständlich interpretiert.

Einige Apps, entsprechen sie dem deutschen Medizinproduktegesetz bzw. entsprechenden europäischen Richtlinien, sind auch offiziell als Medizinprodukte anerkannt (EHEALTHCOM). Damit sind die Weichen zu einer stärkeren Digitalisierungen der gesamten deutschen Gesundheitswirtschaft gestellt.

 

Politisches Vorgehen im Bereich E-Health

Unterstützt wird der Bereich E-Health auch von politischer Seite. Anfang 2016 soll das E-Health-Gesetz in Kraft treten: das Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen. Aktuell liegt der Referentenentwurf vor, welcher Sanktionen vorsieht, wenn die Fristen vonseiten der Arztpraxen nicht eingehalten werden und Belohnungen für jene Praxen, die im Zeitplan agieren. Im Gesetzesentwurf ist die Bereitstellung der Telematikinfrastruktur für Arztpraxen, Krankenhäuser und gesetzliche Krankenkassen vorgesehen, sodass die Onlineprüfung und -aktualisierung der Stammdaten mittels elektronischer Gesundheitskarte über den Versichertenstammdatendienst (VSDD) ab Juli 2016 bundesweit möglich ist. Nicht thematisiert werden hingegen
die elektronische Patientenakte und das elektronische Rezept. Auch auf den Patienten selbst und seine möglichen Wünsche nach Transparenz und Vertraulichkeit wird im derzeitigen Entwurf noch nicht eingegangen, so das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein. Es scheint also noch Verbesserungsbedarf zu bestehen.

In diesem Bereich wird in den nächsten Jahren mit Sicherheit noch viel passieren. Die Herausforderung wird darin bestehen, Gesundheitsdaten zu sammeln und zu übertragen und trotzdem den Datenschutz nicht außer Acht zu lassen. Die Selbstdiagnose wird vermutlich mehr und mehr verbreitet werden. Hier sollte dann eine Lösung gefunden werden, wie Fehldiagnosen durch den Patienten selbst verhindert werden können – denn auch eine noch so smarte App wird die medizinischen und psychologischen Kenntnisse und heuristischen Fähigkeiten eines Arztes nicht komplett ersetzen können.

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