Mobilität: Wie Sharing-Konzepte die Fahrgewohnheiten verändern

Auf Ride-Sharing und Car-Sharing folgt nun Taxi-Sharing

Jeder hat inzwischen schon von der ein oder anderen Mitfahrzentrale gehört oder sie auch selbst genutzt. Das Prinzip ist einfach: Fahrer bieten auf entsprechenden Plattformen freie Sitzplätze in ihrem Auto an – wer die gleiche Strecke mitfahren möchte, nimmt Kontakt auf und „bucht“ den Platz. Ride-Sharing ist in.

mobilität taxiErkannt hat dies auch das kalifornische Startup „UBER“. Dieses bietet Personenbeförderungen in Privat-PKWs (UberPop), in Mietwagen (UberBlack) oder via Taxi (UberTaxi) an. Per App bestellt man einen Fahrer und bekommt direkt Rückmeldung, wer der Fahrer ist, wann er ankommt und wie viel die Fahrt voraussichtlich kosten wird. Man kann via App bargeldlos bezahlen, den Fahrer bewerten und spart gegenüber einer herkömmlichen Taxifahrt meist noch Geld (vor allem bei UberPop). Zudem sind Wagen und Fahrer 24/7 buchbar – hier gibt es also keinen Nachteil gegenüber Taxen.

Was UBER nun seit neustem in sein Portfolio aufgenommen hat ist „UberPool“ – eine Ride-Sharing Möglichkeit. Nun können sich mehrere Fahrgäste mit gleichem Fahrtziel einen Wagen teilen – somit wird die Fahrt noch kostengünstiger für die Nutzer. Dieses Angebot gibt es bislang aber weltweit in nur zwei Städten: in San Francisco und seit dem 14.11.14 in Paris.

Das Unternehmen UBER geriet in den letzten Monaten jedoch ziemlich unter Kritik.  Laut UBER ist eine Genehmigung zur Personenbeförderung (Personenbeförderungsgesetz) nicht notwendig – das sahen verschiedene Gerichte jedoch anders. Ist eine Gewinnerzielungsabsicht sichtbar, muss eine Gewerbeanmeldung erfolgen. Somit müsste das Einkommen der privaten Fahrer (UberPop) versteuert werden. Um diese Problematik zu umgehen, wurden in zwei der fünf deutschen Städte mit UBER-Angebot (Berlin und Hamburg) nun die Preise unter die Betriebskosten gesenkt.

Zudem ist der Punkt Sicherheit im Vergleich mit Taxen sehr umstritten. Sowohl der Wagen als auch der Fahrer wird bei UBER deutlich weniger geprüft und kontrolliert. Bei einem Taxi beispielsweise muss jedes Jahr der TÜV erneuert werden – bei einem „normalen“ PKW, und somit einem UberPop-Wagen, ist dies nur alle 2 Jahre nötig. Ein Taxi-Fahrer muss sich außerdem einer Gesundheits- und einer Ortskundeprüfung unterziehen. Diese Vorkehrungen werden von UBER nicht verfolgt.

Zu guter Letzt wird derzeit auch der Punkt Privatsphäre heftig diskutiert. Die „God View“-Software überwacht das Bewegungsprofil der UBER-Nutzer – das Unternehmen kann Abfahrtsort, Fahrtziel und –zeit ständig einsehen. Zudem ist es aktuell nicht möglich, sein Konto und damit seine privaten Daten zu löschen.

Doch nicht nur UBER mit UberPool, auch BetterTaxi und SHÄRE wagen sich gerade mit ihren Taxi-Sharing Produkten auf den Markt. BetterTaxi befindet sich mit seinem Sharing-Konzept momentan in der Betaphase, SHÄRE soll diesen Monat noch online gehen.

Insbesondere Taxi-Unternehmen stehen den Ride- und Share-Konzepten kritisch gegenüber. Auf den ersten Blick erscheinen diese Alternativen aufgrund ihres Preises eine rein positive Variante zum herkömmlichen Taxi-Fahren darzustellen, da die o.g. Kritikpunkte nicht immer wahrgenommen werden. Für ein Taxiunternehmen bedeutet dies natürlich eine massive Konkurrenz. Vor allem an die Ride-Produkte, welche nicht einmal mehr ein Taxi-Fahrzeug einbeziehen, verlieren Taxen potentielle Kunden. Beim Taxi-Sharing wird immerhin eine Kooperation mit den ansässigen Unternehmen eingegangen, doch es stellt sich auch hier die Frage, ob die Einnahmen durch das Befördern mehrerer Personen gleichzeitig sinken. Oder ist es sogar möglich, dass zusätzliche Kunden gefunden werden, da diese sich zum regulären Preis gar kein Taxi bestellen würden, sondern z.B. öffentliche Verkehrsmittel nutzen würden? Gewinnen Taxen somit womöglich an Attraktivität? Vor allem in Großstädten könnte bei einem großen Angebot an Car-, Ride- und Taxi-Sharing der Bedarf an eigenen PKWs sinken. Somit würde die Nachfrage weiter steigen. Die Frage, wie sich Taxi-Sharing endgültig auf den Mobilitäts-Markt auswirkt, kann also noch nicht eindeutig beantwortet werden.

Der Trend geht jedenfalls eindeutig vom Car-Sharing über das Ride-Sharing nun auch hin zum Taxi-Sharing. Die beste Möglichkeit wäre es für die Taxi-Unternehmen wohl, sich dieser Entwicklung bewusst zu werden und mit ihr zu gehen, statt sich gegen sie zu stellen.

Auch wir haben uns viele Gedanken um dieses Thema gemacht und nun gemeinsam mit der StartingUp-IDEENWERKSTATT ein Projekt ins Leben gerufen. Das Projekt Taxi-Sharing bietet allen Interessierten die Möglichkeit, ihre Ideen zur Verbesserung von Taxi-Sharing einzubringen. Das heißt konkret: Du als potentieller Taxi-Kunde kannst nun deine Meinung abgeben, was du für erfolgreiches Taxi-Sharing als unbedingt notwendig erachtest. Denn die besten Produkte entstehen doch dann, wenn man die Meinungen der Kunden/ Nutzer einbezieht. Also ein User-zentrierter Crowdsourcing-Ansatz. Das passt natürlich sehr gut zu PHANTOMINDS, deshalb kooperieren wir bei diesem Projekt mit der StartingUp-IDEENWERKSTATT und  sind gespannt auf eure Vorschläge und Ideen! Die Aktion läuft noch bis zum 30.11.14 und mitmachen kannst du direkt HIER.

 

Quellen:
Spiegel.de. Fahrdienstvermittler: Uber beschränkt Kosten in Berlin auf 35 Cent pro Kilometer (10.10.2014)
Welt.de: Fuest, Benedikt. Uber verfolgt seine Fahrgäste mit der „Gott-Software“ (20.11.2014)
Finanztip.de: Pöhler, Daniel. Neuer Fahrdienst: Uber gegen Taxis: Vergleich von Preis und Service (13.10.2014 )
Uber-Blog: Julana. UBER BRAUCHT DEINE UNTERSTÜTZUNG IN BERLIN! (07.10.2014)
Uber-Blog: Andrieu, Sylvain. uberPOOL launches in Paris: everybody’s in! (07.11.2014)

Image: pixabay